Im Jahre 2018 wurden unsere Weinterrassen zum UNESCO-WELTNATURERBE erklärt!!

Ausgangslage

3000 km Trockenmauern

Unser Kanton besitzt mit einer Fläche von Trockenmauern, die sich auf eine Distanz von über 3000 km erstreckt, ein wirtschaftliches, ökologisches und soziokulturelles Kulturgut von einmaliger Bedeutung. Die Trockenmauern sind fester Bestandteil unseres Landschaftsbildes, sie sind Zeuge einer alten Handwerkskunst und eines zähen Überlebenswillens unseres Vorfahren. Sie verleihen unserer Landschaft ihren unverwechselbaren Charakter und ihre wilde Schönheit. 

3000 km Trockenmauern

Historischer Rückblick

Die Geschichte des Trockenmauerbaus hängt eng und unweigerlich mit der Produktion bzw. dem Sesshaftwerden der Menschheit zusammen. In mühseliger Handarbeit wurden so auch in unserem Kanton Trockenmauern errichtet, um dem kargen und steilen Boden durch Terrassierungen etwas landwirtschaftlich nutzbarer Boden abzugewinnen, um Weidland abzugrenzen oder die Dörfer vor Lawinen und Murgängen zu schützen. Naturstein war als Baumaterial fast überall vor Ort verfügbar, die Arbeits-, Lohn-, Gewinnungs- und Transportkosten gering und das notwendige Wissen wurde von einer Generation auf die andere vererbt. Der Unterhalt der Trockenmauern gehörte, vorab in den Wintermonaten, zu den täglichen Arbeiten der Bauern. Seit den 1950er Jahren verändern sich auch bei uns die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen fundamental und tief greifend. Die traditionelle Landwirtschaft mit ihrer Selbstversorgungswirtschaft wird zusehends entwertet. So werden auch die Terrassenlandschaften mit ihren Trockenmauern immer mehr dem Verfall preisgegeben und das technische Wissen um den Bau und den Unterhalt von Trockenmauern ging rasch verloren.

Historischer Rückblick 

Renaissance des Trockenmauerhandwerks

Seit 10-15 Jahren zeichnet sich nun ein langsamer Wandel ab: die Terrassenlandschaft mit ihren Trockenmauern wird als die eindrücklichste von Menschenhand geformte Kulturlandschaft wieder entdeckt, ihre ökonomische und ökologische Funktion neu bewertet und eingeschätzt: Die Erhaltung, die Wiederherstellung, die Sanierung und Neuanlegung von Trockenmauern ist wieder ein wichtiges Element der Landschaftserhaltung und –pflege geworden.

Renaissance des Trockenmauerhandwerks

Renaissance des Trockenmauerhandwerks 

Situation im (Ober)wallis

Im (Ober)wallis beginnt man auch, die Trockenmauern nicht nur unter dem Gesichtspunkt des Landschafts- und Naturschutzes als wertvoll einzustufen, sondern immer mehr setzt sich vorab bei jüngeren Rebbauern die Erkenntnis durch, dass es auch im Rahmen der traditionellen Weinwirtschaft ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, die Terrassenlandschaften zu erhalten und zu pflegen. Sind die Walliser Weine und andere Spezialitäten nicht Botschafter unseres Kantons und Teil unseres Kulturgutes? Die Landwirte und Winzer, die die Terrassenlandschaften unter schwierigsten Bedingungen bewirtschaften, verfügen jedoch kaum über genügend Mittel, die aufwändigen Sanierungs- und Wiederherstellungskosten zu finanzieren. In den letzten Jahren werden wohl auch bei uns immer wieder kantonale und nationale Inventar- und Förderprogramme lanciert, aber oft fehlt es dann schlussendlich an der erfolgreichen Umsetzung.

Situation im (Ober)wallis 

Trockenmauerbau heute

Kenntnisse und Fähigkeiten im Bau von Trockensteinmauern sind plötzlich wieder gefragt. Die Trockenmauer erlebt eine eigentliche Renaissance.

Ist das Wissen, das meist nur in mündlicher Form überliefert wurde, überhaupt noch vorhanden? Wissen Grundstückbesitzer, Architekten, Planer und Bauarbeiter wie eine solche Mauer fachgerecht errichtet bzw. saniert werden soll? Denn heute sind, von der modernen Bewirtschaftung im Rebbau her, die höchsten Anforderungen an die Trockenmauern gestellt. Das Überqueren von Mauern mit Raupenmaschinen und die neuen rationellen Bearbeitungsmethoden (Einsatz von Traktoren, Berieselungssysteme) erzeugen punktuell hohen (Wasser)druck, belasten so die Mauern sehr stark und begünstigen die Erosion.

Trockenmauerbau heute 

Akteure auf nationaler Ebene

Die traditionelle Mauertechnik wird heute vorab von Gartenbauern und Mauern mit zum Teil unterschiedlichen Ausführungskriterien angewendet. Die meisten Betriebe arbeiten regional und bieten Trockenmauern als Nischenprodukt an. Einige andere sind exklusiv im Handwerk tätig. Zudem arbeiten seit 2001 neun Unternehmer überregional in der Arbeitsgemeinschaft „Stoneline“ zusammen. Anfangs des Jahres 2005 haben einige Unternehmer den „Schweizerischen Verband der Trockensteinmaurer SVTSM“ ins Leben gerufen. Ziel und Zweck der Gründung ist das „Gruppieren der Interessenten und Ausführenden in Trockenmauerbau, um Qualitäten und Standards zu vereinheitlichen, sowie eine Ausbildung zu entwickeln“. Hinzu kommen Vereine und Stiftungen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Projekte zu finanzieren wie der Fonds Landschaft Schweiz, die Handwerkstechnik wiederzubeleben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen wie die „Association pour la Sauvegarde des murs en pierres sèches“ sowie die „Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz SUS“. Vorab die 1976 in Bern gegründete Stiftung SUS hat mit ihrem seit 1994 lancierten Teilprojekt „Trockenmauern“ das alte Handwerk wieder belebt. Unter Anleitung der von der SUS ausgebildeten Trockensteinmauerspezialisten bauen seither vor allem Zivildienstleistende sowie Lehrlinge, SchülerInnen und Erwachsene in Wocheneinsätzen Trockenmauern. Allein im Jahre 2005 konnten an 26 verschiedenen Orten in der Schweiz 1’411m2 Trockenmauern erstellt werden.

Akteure auf nationaler Ebene 

Akteure auf kantonaler Ebene

Auf Kantonsebene ist nach vielen Jahren der Studien (SEREC- Studie von Francois Parvex und Antonio Turel, Bestandesaufnahme von Jean Pralong) und Statistiken die Zeit der praktischen Weiterbildung angebrochen. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, zusammen mit den Gemeinden, den Umweltverbänden sowie den Tourismusorganisationen einen umfassenden Rettungsplan für die Trockenmauergebiete auszuarbeiten. Man ist sich einig, dass die Terrassenlandschaften nur erhalten werden können, wenn für die Besitzer finanziell erträgliche Rahmenbedingungen für den Unterhalt und die Restauration der Trockenmauern geschaffen werden können. Hiezu wurde in einem ersten Schritt ein Studienmandat für ein Landinformationssystem für die Datenerfassung der Trockenmauern im Kanton Wallis ausgeschrieben. Auch in der praktischen Vermittlung der traditionellen Handwerkstechnik wurden nicht zuletzt im Rahmen des HERCULESProjektes (internationales Projekt zur Rettung der Terrassenlandschaften) diverse Einführungs- und Weiterbildungskurse durchgeführt.

Akteure auf kantonaler Ebene

Es gelang, den Walliser Baumeisterverband, die ökologisch gesinnten Vitival-Weinbauern, die Walliser Landwirtschaftsschule, die Berufsschule Sitten sowie die Wiedereingliederungsstätte der kantonalen Dienststelle für Industrie, Handel und Arbeit für die Trockenmauerkurse zu begeistern. Für die Vermittlung des theoretischen und praktischen Know-hows zeigte sich die SUS verantwortlich: Nebst den Einführungskursen im Centre Pasec in Siders wurden für vorab saisonal arbeitslose Baufachleute und interessierte Rebbauern seit 2004 in Chateauneuf und auf dem Gebiet des Guts von Schloss Mercier mit grossem Erfolg Praxiskurse durchgeführt.

Akteure auf kantonaler Ebene

Akteure auf kantonaler Ebene 

Vision einer qualifizierten Ausbildung

Mit dem Wiederaufleben des Interesses an den Trockenmauern entwickelt sich in Fachkreisen auch das Bedürfnis nach einer qualifizierten Ausbildung im Trockenmauerbau. Vor allem der Schweizerische Verband der Trockensteinmauer SVTSM ist bestrebt, zusammen mit der SUS, der Hochschule Wädenswil sowie dem Grünen Zimmer (GZ) in Agarn, einen Lehrgang aufzubauen, der zu einem anerkannten Abschluss führen soll und Richtlinien zur Qualitätssicherung und –prüfung von Trockensteinarbeiten zu schaffen.

Vision einer qualifizierten Ausbildung